Quartalsbericht für die Smart Beta-Portfolios Chance und Balanced Plus

cropped-Titelbild-copy-e1442230385660.pngNachdem der Jahresausklang noch versöhnlich ausgefallen war, mussten Aktienanleger im ersten Quartal 2016 erneut starke Nerven beweisen. Auf breiter Front fielen die Aktienkurse bis in den späten Februar hinein. Alle großen Indizes der entwickelten Volkswirtschaften waren davon betroffen. Besonders hart traf es Japan und den pazifischen Raum. Aber auch der deutsche Aktienindex DAX sackte von über 10.000 Punkten auf zwischenzeitlich unter 8.800 Punkte. Wie üblich wurde diese Entwicklung von der Wirtschaftspresse befeuert.

Was im Dezember noch an Lichtblicken in der Weltwirtschaft ausgemacht wurde, wandelte sich im Januar schlagartig zu einem Vorboten einer Weltwirtschaftskrise. Staatspleiten durch fallende Rohstoffpreise, das Schreckensgespenst der Deflation, Abwertungswettläufe der großen Währungsblöcke und ein neuer kalter Krieg standen auf dem Programm der Wirtschaftsmedien. Erst Ende Februar waren die Kurse weit genug gefallen, um eine Gegenbewegung einzuleiten, die mit einigen Schwankungen bis zum Quartalsende anhielt und Teile der Verluste wieder ausgleichen konnte. Zugleich öffneten die Zentralbanken ihre Geldschleusen noch weiter, mit der Folge zunehmender negativer Zinsen und negativer Renditen für die meisten Laufzeiten sicherer Staatsanleihen. Was an den Aktienbörsen als Bestätigung für die heraufziehende Krise gewertet wurde, freute die Besitzer selbst niedrig rentierlicher Anleihen, die Kursgewinne verzeichneten.

In dem beschriebenen Umfeld konnte kein Portfolio mit höheren Aktienanteilen Wertzuwächse verzeichnen. Das Portfolio Smart Beta Chance Plus verlor zwei Prozent, wobei die Verluste sowohl aus den Standardindizes der entwickelten Volkswirtschaften (S&P 500, Stoxx Europe, MSCI Japan und Pazifik) resultierten als auch aus den Faktorinvestments wie in so genannten Small CAPs. Einziger Lichtblick waren Aktien aus den Schwellenländern, die leicht zulegen konnten. Eigentlich unlogisch, wenn man die Abhängigkeit der meisten großen Schwellenländer von den Rohstoffpreisen und die
Verschuldungsproblematik in Hartwährungen betrachtet, die im vierten Quartal noch als Begründung für die heftigen Kursverluste herhalten mussten.

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Tabelle 1: Entwicklung Portfolio Smart Beta Chance Plus

Die Anleihepositionen des Portfolios Smart Beta Chance Plus konnten aufgrund der beschriebenen Zinsentwicklung zulegen, zu wenig jedoch um die Verluste bei Aktien aufzufangen. Hinzu kam ein Wiedererstarken des Euro, der nach heftigen Pendelbewegungen im Februar zu Ende März ein Quartalshoch von 1,138 EUR/USD erreichte, eine Aufwertung von über fünf Prozent gegenüber dem Beginn des Quartals. Ob dies mit der Pause der US-Notenbank (Fed) bei den angekündigten Zinsschritten zu begründen ist, oder geheimen Absprachen der Zentralbanken zu verdanken ist, die getroffen wurden, um Schwankungen zwischen den großen Währungsblöcken zu begrenzen, sei dahingestellt. In jedem Fall hatte diese Entwicklung einen sehr negativen Einfluss auf die USD-Liquidität, die wir seit dem vierten Quartal in Erwartung der weiteren Zins-Schritte der Fed ins Portfolio aufgenommen hatten.

Das Portfolio Smart Beta Balanced Plus verlor insgesamt zwei Prozent. Die Entwicklungen der einzelnen Positionen entsprechen denen des Portfolios Smart Beta Chance Plus. Einem Verlust von fünf Prozent bei der Aktienposition und zwei Prozent bei Liquidität standen drei Prozent Zuwachs der Anleiheposition gegenüber.

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Tabelle 2: Entwicklung Portfolio Smart Beta Balanced Plus

Beide Benchmark-Portfolios schlugen sich deutlich besser. Dies ist aber nicht auf einen strukturellen Vorteil der Portfolios zurückzuführen, sondern lag an den Entwicklungen der Leitzinsen und des US-Dollar: Mitte Februar hatte der Anlageausschuss ein Rebalancing, also eine Rückführung auf die Ausgangsgewichtung der Aktien- und Anleiheposition durchgeführt. Zu diesem Zweck verkauften wir in beiden Benchmark-Portfolios einen Teil der Anleiheposition, um den MSCI AWCI-Aktienindex (Welt) zu erwerben, der in US-Dollar notiert ist. Dieser Erwerb fand gerade zur Zeit der größten US-Dollarschwäche Mitte Februar statt, so dass wir relativ viele Anteile erwerben konnten, was den Gesamtverlust der Aktienposition begrenzte. In Verbindung mit Negativzinsen konnte die Anleiheposition die Verluste der Aktien beim Benchmark-Portfolio Balanced beinahe ausgleichen, so dass der Wert des Benchmark-Portfolios über das Quartal hinweg nahezu konstant blieb. Bei dem stärker aktienlastigen Benchmark-Portfolio Chance fiel dieser Effekt schwächer aus, so dass auch hier die Wertverluste der Aktienposition stark zu Buche schlugen.

Für das laufende Quartal wird entscheidend sein, welche der Gruppe der Finanzmarktakteure die Oberhand gewinnt: Die Optimisten, die an den Erfolg des neuen fünf Jahresplanes und ein „soft economic landing“ in China glauben und positive Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt sowie in Europa prognostizieren. Oder setzen sich doch die Pessimisten durch, die sinkende Rohstoffpreise als Gefahr für die Schwellenländer sehen, ein „hard economic landing“ in China, mehr Terror und Kriegsszenarien, eine schwache US-Volkswirtschaft sowie ein reformunfähiges Mittel- und Südeuropa erwarten? Alles Gründe für die Fortsetzung der Flucht in Gold oder Betongold, aber nicht für Aktienerwerb (wobei ironischerweise viele gemischte Investmentfonds und Vermögensverwalter ihre Immobilieninvestitionen über Immobilienaktien vornehmen).

Insgesamt zählen wir uns eher zu den Optimisten und rechnen mit einem langsamen und volatilen, aber doch dauerhaften Aufschwung an den Börsen. Daher werden wir auch im laufenden Quartal unsere Aufteilung der Anlageklassen beibehalten.

Der nächste Anlageausschuss tagt im Mai.

7. April 2016

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Tun – oder nichts tun?

IMG_3622Stürmische Zeiten. Aktienmärkte sind verunsichert. Ein Ende der Negativzinsen ist nicht in Sicht. Zentralbanken greifen massiv in die Finanzmärkte ein, um Banken und Staaten zu finanzieren und Inflation zu anzukurbeln. Rohstoffpreise scheinen keinen Tiefpunkt zu gehen. Selbst auf den Immobilienmärkten nicht nur in Deutschland häufen sich Anzeichen möglicher Überhitzung.

Banken, die in gewohnter Regelmäßigkeit und vermeintlicher Professionalität Prognosen erstellen, werfen sie schneller über Bord als jemals zuvor. Ratlosigkeit breitet sich aus. Schon im letzten Jahr äußerte David Folkerts-Landau, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank: „Während meiner gesamten akademischen und beruflichen Laufbahn … habe ich mich mit Überlegungen und Prognosen zur Weltwirtschaft befasst. In all den Jahren konnte ich, selbst wenn Krisen ausbrachen oder meine Prognosen daneben lagen, die Ereignisse mit meinen Kenntnissen aus Lehrbüchern oder geschichtlichen Zusammenhängen in Einklang bringen. Das ist in der heutigen außergewöhnlichen Zeit nicht mehr der Fall.“

Euphorische Prognosen von Analysten werden wieder kassiert. Hatte die DZ-Bank, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, vor wenigen Wochen noch einen Dax-Stand für Ende 2016 von 11.000 Punkten vorhergesagt, wird jetzt nur noch von 10.300 Punkten ausgegangen.

Selbst Goldman Sachs, die einflussreichste Investmentbank der Welt mit einer kaum zu duplizierenden Nähe zu den Finanzmärkten und Entscheidern, haben nur nach wenigen Wochen fünf von sechs Anlage-Ideen für 2016 wieder kassiert: Devisenmärkte, Renditen von Staatspapieren, Inflationserwartungen und Aktienmärkte, besonders die Kurse von Bankaktien, entwickelten sich extrem abweichend von den Prognosen.

Täglich äußern sich Experten zur Krise. Ein Pauschalrezept für Anlageentscheidungen in einem Umwelt negativer Zinsen, hoher Geldliquidität und mangelnder Konjunkturstimuli scheint es nicht zu geben. Die Zentralbanken fahren mit hoher Geschwindigkeit durch Nebelwände und verlassen sich dabei auf ihre Assistenzsysteme. Die Entscheider hoffen dabei, dass die roten Lichter und automatischen Bremsverstärker reagieren, bevor es zu einer Massenkarambolage kommt.

Marktteilnehmer sind verunsichert. Die Stimmung ist schlecht. Die Volatilität entsprechend hoch. Wir fühlen uns in unserem Ansatz bestätigt, dass trotz ausgefeilter Prognosetechniken für Wachstum, Konjunktur und Marktentwicklungen es kaum mehr als Kaffeesatzleserei ist und bleibt, die Marktentwicklungen vorherzusehen und entsprechende Anlageentscheidungen zu treffen. Anlageentscheidungen und Depotumschichtungen aufgrund von prognostizierten Markt- oder Börsendaten sollten deshalb möglichst nicht vorgenommen werden.

Vor diesem Hintergrund entschied der Anlageausschuss, nur ein Rebalancing für die beiden Benchmark-Portfolios Chance und Balanced auf die Ursprungsgewichtungen durchzuführen. Das Portfolio Chance wurde auf 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen gewichtet und das Portfolio Balanced auf 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen. Trotz der hohen Volatilität, Marktverwerfungen und Marktunsicherheiten sah der Anlageausschuss keine Notwendigkeit, Änderungen an der Zusammenstellung der Wertpapiere in den beiden Portfolios SmartBeta Chance Plus und SmartBeta Balanced Plus vorzunehmen und blieb seinem Investitionsansatz treu. Der Ausschuss tagt wieder in drei Monaten.


01.03.2016

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Wie zuverlässig sind Prognosen

The Fortune Teller (1920) - Ad 3Ende des vorletzten Jahres, genau am 26.12.2014, veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine (FAZ) in einem Artikel Prognosen von Banken zur Entwicklung der Aktienmärkte in 2015. Auf den Tag genau ein Jahr später tat sie es wieder für 2016.

Wie genau sind die Prognosen? Wie gut können Finanzmarktprofis die Entwicklung der Aktienmärkte auf Jahressicht voraussagen? Welche Schlüsse sollten Privatanleger daraus ziehen?

Prognosen zur Entwicklung der aktienmärkte im Jahr 2015Quelle: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/die-prognose-fuer-das-aktienjahr-2015-verheisst-gewinne-und-rekorde-13339568.html

Wie der oberen Tabelle zu entnehmen ist, wurden 24 Finanzinstitute gebeten, Prognosen für vier Aktienindizes und den Euro-Dollar-Wechselkurs für Ende 2015 abzugeben. Vorausgesagt wurde im Durchschnitt der Antworten, dass der Dow Jones zum Jahresende 2015 bei 18.547 Punkten liegen wird, der Nasdaq Composite bei 4.914, der Euro-Stoxx 50 bei 3.438, der Dax bei 10.773 und der Euro-Dollar-Wechselkurs bei 1,17.

Und wie sah es Ende des letzten Jahres aus? Der Dow Jones schloss mit 17.590 Punkten, der Nasdaq Composite mit 5.047 Punkten, der Euro-Stoxx 50 mit 3.287 Punkten, der Dax mit 10.855 Punkten, und der Euro-Dollar-Wechselkurs betrug 1,08.

Die optimistischen Einschätzungen der Analysten haben sich nur teilweise erfüllt. Der Dow Jones lag um etwa 1.000 Punkte unterhalb der durchschnittlichen Markteinschätzung. Dagegen wurde das Potential des Nasdaq Composite unterschätzt und das des Euro-Stoxx 50 wiederum überbewertet. Relativ genau lag man beim Dax. Wohingegen der Dollarkurs doch weiter von der Prognose abwich.

Schaut man sich jedoch die Vorhersagen einzelner Finanzinstitute an, dann sieht man größere Abweichungen. Während die BNP Paribas bei Dow Jones bei 19.400 Punkten sah, prognostizierte die HSH Nordbank ihn bei 16.000 Punkten. Beim Dax schwankten die Voraussagen zwischen pessimistischen 9.500 und optimistischen 11.500 Punkten.

Leider geht aus den Angaben nicht hervor, auf welcher Basis und mit welchen Methoden die Prognosen erstellt worden sind. Wurden Makrofaktoren wie volkswirtschaftliche Indikatoren oder charttechnische Analysen herangezogen? Welche Methoden zu den zielgenauesten führten, lässt sich nicht nachvollziehen.

Da die Bank- und Anlageberater die Zahlen der eigenen Analysten zur Beratung heranziehen, kann man sich nur zu gut vorstellen, dass die Beratungen und Anlageempfehlungen auf Basis der Prognosen von Institut zu Institut unterschiedlich ausfallen können. Denn häufig empfehlen in einem optimistischen Szenario die Anlageberater aggressive Investitionen in offensive Anlageklassen und –bereiche wie Wachstumsaktien und –märkte. Wohingegen sie in einem unsicheren oder pessimistischen Szenario eher zu defensiven Produkten wie Geldmarktfonds, Anleihen und Immobilienfonds neigen.

Genau ein Jahr später am 26.12.2015 wurde in der FAZ erneut ein Artikel mit Prognosen zur Entwicklung der Aktienmärkte von Finanzinstituten für 2016 veröffentlicht (siehe untere Tabelle).

Prognosen zur Entwicklung der Aktienmärkte 2016

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/der-dax-koennte-2016-um-gut-20-prozent-steigen-13982907/infografik-prognosen-zu-der-13983032.html

Auch in dieser Tabelle kommt der Optimismus der Analysten unverändert zu tragen. Durchgehend erhöhten sie ihre jährlichen Voraussagen. Den Dax schrauben sie von prognostizierten 10.092 Punkte in 2014 und 10.773 Punkte in 2015 auf 11.859 Punkte für Ende 2016. Schwankungsbreite geht von 10.800 bis 12.500 Punkte. Ähnliche Schwankungen finden sich auch bei den anderen Indizes und dem Wechselkurs. Während beispielsweise die Deutsche Bank einen Kurs des Dollars zum Euro von 0,9 zum Jahresende sieht, schätzt Berenberg den Kurs eher bei 1,15.

Bei diesen Spannbreiten der Prognosen sollte der Anleger sich vergegenwärtigen, dass er nicht unbedingt den Prognosen seines Beraters Glauben schenken sollte. Denn sie predigen die Vorgaben aus der Analyseabteilung und verkaufen die vorgegebenen Produkte aus der Vertriebsabteilung, um auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt unter der Beraterhaftung herangezogen zu werden.

Die erratischen Marktentwicklungen der letzten Wochen und Monate und die weltwirtschaftlichen Risikofaktoren wie Flüchtlingsproblematik, Wirtschaftsentwicklung in China und die konjunkturelle Entwicklung in den USA verdeutlichen nur zu sehr, dass auch ein so genanntes Market Timing, also ein gezielter Marktein- oder –ausstieg, nicht gezielt umgesetzt werden kann. Trendfolgen und andere technischen Analysen dürften wahrscheinlich nicht helfen, die Wertentwicklung von Anlageklassen und Märkte vorherzusagen. Trotz ausgefeilter Prognosetechniken für Wachstum, Konjunktur und Marktentwicklungen ist und bleibt es kaum mehr als Kaffeesatzleserei. Es schafft kein Finanzinstitut über Jahre konsistente und treffsichere Prognosen zu liefern. Anlageentscheidungen und Depotumschichtungen aufgrund von prognostizierten Markt- oder Börsendaten sollten deshalb möglichst nicht vorgenommen werden.

Wenn kurzfristige Prognosen unzulänglich sind und von Privatanlegern nicht beachtet werden sollten, wenn sie eine mittel- bis langfristige Anlagestrategie verfolgen, sollte man jedoch langfristige weltweite Trends beobachten. Welche Regionen und Länder könnten zukünftige Wachstumstreiber sein? Wie beeinflussen Digitalisierung und das Internet Produktionsprozesse und das Kaufverhalten von Konsumenten? Welche weiteren Technologien wie Nanotechnologie können Industrien in die vorderste Front industrieller Entwicklung schieben? Wir wirkt sich der demographische Wandel auf Wachstum in den Industrieländern aus? Wie wird sich die weitere Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen wie fossile Rohstoffe und Eisenerz im Rahmen eines industriellen Umwälzungsprozesses auswirken? Diesen Fragen soll in einem separaten Artikel nachgegangen werden. Denn wir sind der Überzeugung, dass langfristige Investoren weltweite Megatrends nicht vernachlässigen sollten, da rein passive Investitionen nur das Hier und Heute und zukünftige Veränderungen nicht widerspiegeln können.

07.02.2016

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