Aktien – Siegreich durch Mannschaftsleistung

Das WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Österreich ist noch keine 24 Stunden her, als diese Zeilen geschrieben werden. Deutschland hat 3:0 gewonnen und ist damit dem Ziel der Teilnahme an der nächsten Weltmeisterschaft in Brasilien ein Stück näher gekommen. Team-Manager Oliver Bierhoff sagt in einem Interview, dass das Ziel aus eigener Kraft geschafft werden muss. Joachim Löw hatte seine Mannschaft gut aufgestellt. Der Schlüssel zum Erfolg waren nicht einzelne Spieler, nicht der aggressive Sturm oder die gesteigerte Stabilität der deutschen Defensive. Nein, es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, die es ermöglichte, dass keine Gegentore eingefangen und drei Tore geschossen wurden.

Ich muss an das Spiel denken, wenn ich mir überlege, wie ein Investor in stürmischer Zeit, in einem nur schwer einschätzbaren Umfeld in Aktien investieren sollte. Viele Variable beeinflussen seine Entscheidung – wie der potentielle Krieg in Syrien, Ölpreissteigerungen und die potentielle Abschöpfung überschüssiger Liquidität durch die Zentralbanken in verschiedenen Industrieländern. Das Geld auf dem Sparbuch zu lassen ist genauso wenig eine gewinnbringende Alternative wie ein Team nicht auf den Platz zu schicken.

Es ist am Ende nicht die Performance einzelner Werte, die den Erfolg eines Portfolios bestimmen. In den letzten beiden Artikeln sind wir auf die Defensive eingegangen und haben Anleihen besprochen. In den folgenden beiden Artikeln wollen wir näher auf den Sturm eingehen.

Warum macht eine Investition in wenige Einzelwerte keinen Sinn?

Wie eine Schwalbe keinen Sommer macht und ein guter Stürmer für den kontinuierlichen Erfolg einer Mannschaft nicht ausreicht, reicht auch die Investition in wenige Aktien nicht, um mit großer Wahrscheinlichkeit langfristig eine auskömmliche Rendite zu erzielen. Beispiele wie die Telekom und Karstadt verdeutlichen sehr, dass man mit dem Kauf von oft als hoch solide eingeschätzten Einzelwerten auch die Unternehmensrisiken wie Managementfehler, falsche Produktpolitik und Fehlinvestitionen mit einkauft. Um diese zumindest weitestgehend zu vermeiden, sollte ein Portfolio aus wenigstens zwanzig bis dreißig Werte bestehen.

Der DAX besteht aus dreißig Werten der größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen. Auch der Dow-Jones-Index setzt sich aus dreißig Werten der größten US-Unternehmen zusammen. Durch den Erwerb eines kostengünstigen, passiven börsennotierten Fonds (ETF), der einen Aktien-Index abbildet, kann ein Anleger unternehmensspezifische Risiken ausschließen und damit Fehlentwicklungen einzelner Unternehmen und böse Überraschungen leichter verschmerzen.

Welcher Index ist der richtige?

Fällt die Entscheidung gegen Einzelwerte und für eine Investition in einen Aktienindex, stellt sich die Frage: Welcher Index ist empfehlenswert? Möchte man die Welt der Aktien in einem Index und in einem Produkt abgebildet haben, dann wählt man den MSCI-World-Index-ETF. Es ist die einfachste Investition in einen breit diversifizierten globalen Aktienmarkt. Der Index beinhaltet über 6.000 Aktien aus 23 Industrieländern und gewichtet sie nach der Marktkapitalisierung. Aktien aus Entwicklungsländern und kleinere Unternehmen umfasst er nicht. Sollten sie auch in einem Index enthalten sein, dann kann der MSCI-ACWI- oder auch der FTSE-ACWI-Index genommen werden. Damit erwirbt der Anleger ein sehr breit gestreutes Portfolio, das komplett immun ist gegen einzelne Unternehmens- oder auch Branchenkrisen und auch weitgehend immun gegen schlechte Wirtschaftsdaten vieler Länder, sofern sie nicht wie die USA stark im Index vertreten sind und keine Auswirkungen auf die globale Wirtschaft haben.

Jeder Trainer richtet seine Mannschaft gerne individueller aus. Das ist auch bei einem Aktienportfolio möglich, indem beispielsweise die obigen Indizes aus Subindizes zusammengestellt werden. Eine Aufteilung auf Subindizes kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen wie nach Regionen, Bruttoinlandsprodukt, Branchen, gleiche Gewichtung der einzelnen Werte im Index oder auch durch die zusätzliche Erfassung von Entwicklungsländern und kleinen Unternehmen. Dadurch besteht die Möglichkeit, individuelle Schwerpunkte zu setzen wie eine Übergewichtung der Schwellenländer, von Branchen oder Kleinunternehmen, wenn man glaubt, dass sie der Motor des nächsten Wachstumsschubs sind. Ebenso kann man Regionen untergewichten, wenn man der Meinung ist, dass die Konjunktur einbricht oder die entsprechenden Märkte sich längere Zeit nicht entwickeln werden. Eine eindeutige Aussage darüber, ob die Regionen prozentual nach der Börsenkapitalisierung oder dem Bruttoinlandsprodukt gewichtet oder einfach gedrittelt (Nordamerika, Europa und Pazifik) werden sollten, ist nicht möglich. Das gilt ebenfalls, wenn als vierter Index Schwellenländer hinzugenommen werden. Nach manchen Kalkulationen lässt sich ein kleiner Renditevorteil durch eine Gewichtung nach dem Bruttoinlandsprodukt mit jährlicher Anpassung erzielen.

Eine Gewichtung nach Branchen sollte von der überwiegenden Anzahl von Privatanlegern nicht in Betracht gezogen werden. Ein Wachstumsboom in einer Branche führt nicht unbedingt zu Kurssteigerungen und hohen Dividenden. Auch sind die Branchen in Abhängigkeit von ihrer Bedeutung bereits in den Regionalindizes vertreten.

Höhere Renditen durch Small-Caps- oder Value-Aktien?

Erfolgreiche Trainer einer Mannschaft versuchen immer, mit innovativen Strategien langfristige Erfolge zu erzielen. Auch Vermögensberater neigen dazu, einen Investor davon zu überzeugen, dass manchmal Dividenden- oder sogenannte Value- und Wachstumsstrategien zu Überrenditen führen können. Es ist richtig, es kann nicht ausgeschlossen werden. Jedoch ist es nicht eindeutig. Bekannte Ökonomen wie Eugene F. Fama und Kenneth R. French weisen nach, dass Value- oder Value-Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen sich besser entwickelten als Wachstumsaktien, die durch Kurssteigerungen zu glänzen versuchen. Dahingegen zeigt Burton G. Malkiel auf, dass Anleger, die sich auf die Dividenden- oder Value-Strategie konzentrieren, langfristig keine höheren Renditen erzielen. Ausführlichere Untersuchungen zu verschiedenen Indizes und den Anlagestrategien sind in unseren Büchern “Asset Allocation” und “Krisensicher Investieren” zu finden.

Fazit:

Auch ein erfolgreicher Angriff definiert sich nicht über individuelle Trippelkünstler. Es ist schwierig bis unmöglich, aus einem Kosmos von Tausenden von Aktien die richtigen herauszusuchen und zu einer erfolgreichen Mannschaft zu formen. Es bleibt unverändert wichtig, dass wie bei einer Fußballmannschaft breit diversifiziert investiert oder eine Mannschaft gleichmäßig gut aufgestellt wird. Innerhalb eines langfristig angelegten Portfolios auf Basis des Konzeptes der Asset Allocation dürfte der Einsatz spezieller Strategien nicht zu viel höheren Renditen führen. Die Teamleistung ist entscheidend. In der Defensive wie in der Offensive.

7.9.2013

 

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