Gold – eine Klasse in und für sich

Au – eine Abkürzung, die für viele von uns nur die Erinnerung an den Chemieunterricht zurückbringt. Au besitzt als chemisches Element im Periodensystem die Ordnungszahl 79 und steht für das lateinische Wort Aurum, das Gold bedeutet. Es gehört zur Gruppe der Edelmetalle.

Aber für viele Menschen ist wiederum Gold mehr als ein chemisches Element, wenn man sich anschaut, wofür Gold genutzt wird,

Insgesamt existieren nach Informationen des World Gold Council überirdisch etwa 175.000 t Gold, und betragen die identifizierten Reserven nach einer Untersuchung des U.S. Geological Survey circa 51.000 t. Die vorhandenen Goldvorräte werden zu knapp der Hälfte für Schmuck verwandt. Die verbleibende Hälfte teilen sich fast ausschließlich Anleger mit 18 Prozent, Zentralbanken wie die Bundesbank mit 17 Prozent und Industrie mit 12 Prozent.

Gold besitzt eine Anziehungskraft, die über die rein industrielle Nutzung weit hinausgeht. Faktoren wie Seltenheit und Schönheit wirken auf Käufer von Gold genauso wie die Argumente, dass Gold als Versicherung gegen Inflation und wirtschaftliche Instabilität wirken kann.

Der Goldpreis ist zwar von Angebot und Nachfrage bestimmt. Jedoch treten auf diesem Markt neben chinesischen und indischen Schmuckfabrikaten, Regierungen und Zentralbanken auch Finanzmarktakteure auf. Sie alle handeln Gold aus höchst unterschiedlichen Motiven. Selbst Vorwürfe nach bewusster Manipulation des Goldpreises durch Zentralbanken, um inflationäre Tendenzen entgegenzuwirken, und  durch Banken, um die Profite zu maximieren, tauchen in letzter Zeit gehäuft auf.

 Quelle: World Gold Council, aktualisierte Daten per 17.03.2014

Nach einer Untersuchung des Wirtschaftswissenschaftlers Stephen Harmston blieb trotz zwischenzeitlicher Preisschwankungen die Kaufkraft des Goldes zur Abdeckung der Lebenshaltungskosten seit über 2.000 Jahren erhalten.  Da keiner von uns letztendlich sein Vermögen über den langen Zeitraum plant oder anlegt, ist es ebenso wichtig, sich die Preisentwicklung der letzten Jahrzehnte anzuschauen.

In Euro ausgedrückt entwickelte sich der Goldpreis von knapp 25 Euro per Unze von Anfang der siebziger Jahre auf fast 500 Euro in 1983.  Über ein Jahrzehnt bewegte sich der Preis zwischen 200 und 400 Euro, bevor er dann etwa ab Ende 2005 zu einem Höhenflug ansetzte, der ihn bis auf eine luftige Höhe von beinahe 1.400 Euro im Oktober 2012 führte.

Dass Gold nicht nur als Hort der Sicherheit gegen wirtschaftliche Instabilität und Inflation betrachtet wird, sondern auch als Fluchtburg in krisenhaften Zeiten bewusst gesucht wird, lässt sich an der Preisentwicklung seit Ausbruch der Krise in der Ukraine sehen. Das gilt für Privatanleger wie für Zentralbanken. Wie die Welt berichtet, hat allein die russische Zentralbank seit einem Jahr zwei Millionen Unzen erworben. Aber auch Länder wie die Türkei, Kasachstan und Südkorea stocken ihre Goldbestände kräftig auf.

Gehört Gold ins Depot eines Privatanlegers? 

In unserem Buch „Asset Allocation“ haben wir die Korrelationskoeffizienten verschiedener Anlageklassen im Zeitraum von 1987 bis 2010 berechnet und kamen zum Ergebnis, dass Gold – wie übrigens auch Immobilien – mit keiner anderen Anlageklasse nennenswert korreliert und dadurch zur Diversifikation gegen Marktpreisschwankungen der anderen Anlageklassen grundsätzlich geeignet ist.

Wir betrachten jedoch Gold in einem ausgewogenen Portfolio nicht als eine defensive, sondern als eine offensive Anlageklasse, die als Renditetreiber zur Verfügung stehen sollte. Denn die Gold-Kurse schwanken teilweise beträchtlich. Die Volatilität ist hoch. Während wir in unserer Untersuchung für den erwähnten Zeitraum zwischen 1987 und 2010 für Tagesgeld auf ein Risiko 4,8 Prozent kamen, betrug es für europäische Pfandbriefe 5,8 Prozent und für Bundesanleihen 6,7 Prozent. Das Risiko für Gold belief sich auf 25,8 Prozent und ähnelte damit dem Risiko von Investitionen in Rohstoffe oder Aktien. Defensive Anlageklassen wie Tagesgeld und Anleihen sind daher deutlich weniger kurs- und wertanfällig. Sie sollten unseres Erachtens in einem diversifizierten Portfolio stärker negative Marktbewegungen der offensiven Anlageklassen dämpfen. Gold ist dafür weniger geeignet.

Wir teilen nicht mögliche Befürchtungen, dass es momentan eine Inflationsgefahr gibt, das Papiergeld wertlos wird, der Euro verschwindet und die gegenwärtigen Krisen zu einem Zusammenbruch des Weltwirtschaftssystems führen. Denn das sind häufig geäußerte Argumente für Goldanlagen.

Glaubt man hingegen nicht an eine bevorstehende Währungskrise oder Hyperinflation (oder beides) stellt sich die Frage, was den heutigen Goldpreis sonst noch in luftigere Höhen katapultieren könnte? Die indische und chinesische Schmucknachfrage? Zentralbanken, die Gold horten?

Alle genannten Szenarien erscheinen uns derzeit und auf mittlere Sicht relativ unwahrscheinlich. Daher wird unserer Meinung nach Gold mittelfristig die Funktion eines Renditetreibers nicht mehr ausfüllen können. Wir nehmen aufgrund dieser Trendwende bei der Goldpreisentwicklung Gold aus unseren Musterportfolios per Ende Juni 2014 heraus und berechnen die Portfolios neu.

1.4.2014

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