Unsere Musterportfolios

Die aktuelle Performance

Das zweite Quartal 2015 war so ereignisreich wie lange nicht mehr, wobei die einzelnen Monate höchst unterschiedlich ausfielen. Während der April zunächst als „business as usual“ begann und weitere Kurszuwächse zu sehen waren, drehte die Stimmung an den Finanzmärkten im Laufe des April erheblich und beginnt, sich zu einem größeren Rückschlag auszuweiten [Für Details der Monatsentwicklungen verweisen wir auf unsere Monatsberichte zu myDepot]. Am Ende des Quartals sind für alle Portfolios sowie die Benchmark und den DAX Verluste zu verzeichnen, wobei die Benchmark und der DAX deutlich stärker eingebrochen sind, als unsere Musterportfolios.

Entwicklung der Anlageklassen

Die Entwicklung unserer Musterportfolio und der Benchmark lässt sich hauptsächlich an drei fundamentalen Entwicklungen festmachen:

  1. Erstmalig steigende langfristige Zinsen in der Eurozone sowie steigende Langfristzinsen in den USA haben im Mai den Bund-Future und damit auch die Kurse der Staatsanleihen, insbesondere der Langläufer, auf Talfahrt geschickt. Wir haben über diese Entwicklung im Monatsbericht Mai zu myDepot eingehend berichtet. Insgesamt zeigte sich ein klares Bild hin zu sinkenden Anleihekursen.  Der Draghi Bonus wurde dadurch für viele Anleger in Anleihen unerwartet zum Draghi Malus.
  2. Die sinkenden Anleihekurse wurden flankiert durch stark zunehmende Unsicherheiten aus der Grexit-Diskussion, die in mehreren Nachtsitzungen und medialen Propagandaschlachten im Lichte der Weltöffentlichkeit ausgetragen wurde. Ende Juni haben daher alle Aktienkurse, insbesondere aber Aktien Europa, stark nachgegeben.
  3. Neben der Grexit-Diskussion hält sich in der Finanzpresse eine deutlich stiller geführte Diskussion um die Finanzstabilität der Schwellenländer. Es wird angeführt, dass sie reichlich vorhandene billige Liquidität zu unprofitablen und zu risikoreichen Investitionen und ausuferndem Konsumverhalten führt. Ziehen die Zinsen dann später an, werden Haushalte sowie Unternehmen in Schwierigkeiten kommen, ihre Kredite zu bedienen.

Die genannten drei Entwicklungen bzw. Diskussionsstränge lassen sich gut in der Performance der Anlageklassen wiederfinden: Bundesanleihen verlieren, wenn auch etwas weniger stark als der breiter gefasste Index der Benchmark. Aktien Welt verlieren ebenso wie Aktien Schwellenländer, die im Juni zusätzlich von der scharfen Kurskorrektur der chinesischen Aktien in Shanghai betroffen sind (siehe Bericht Juni zu myDepot). Aus Quartalssicht spielt hier ebenfalls der schwächere US-Dollar eine Rolle der gegenüber seinem Höchststand im März von 1,074 auf 1,1143 USD/EUR nachgab.

Der sinkende Dollarkurs ist auch verantwortlich für den hohen Wertverlust bei Gold. Während der Wert in US-Dollar nur leicht nachgab, steht für den Euroanleger ein Wechselkursverlust von fast 3,6 Prozent zu Buche.

Rohstoffe bleiben volatil. Die Erholung des Ölpreises von seinem Tief etwa Mitte März ist auch für das positive zweite Quartal verantwortlich, wobei die Aufwärtsbewegung in den letzten Tagen zum Stehen gekommen ist.

Ausblick

Quo vadis Finanzmärkte? Selten war eine Prognose der nächsten sechs Monate schwerer. Zu viele weltwirtschaftliche Unsicherheitsfaktoren verstärken die Schwankungen an den Börsen. Finden die Zentralbanken, voran die FED, einen Ausstieg aus der Nullzinspolitik im dritten oder vierten Quartal? Oder werden die Aufwertungstendenzen des US-Dollar so stark, dass die FED auch 2015 bei ihrer Politik bleibt. Gründe dafür könnten eine Hängepartie bei der Griechenlandfrage sein sowie die Lockerung der Geldpolitik in den Schwellenländern. Beides würde die Aufwertung des US-Dollar beschleunigen und ggf. in den USA die positive Wirtschaftsentwicklung gefährden. Es sind aber auch andere Szenarien denkbar: Eine positive Einigung und Sanierung Griechenlands wird auf den Weg gebracht, mit einem starken Euro und der Freisetzung weiterer Wachstumsimpulse in den südeuropäischen Ländern, die mit mehr Vertrauen ihren Sanierungspfad fortsetzen. Aber auch Krisenszenarien bleiben möglich: Ein Grexit mit Ansteckung,  Russland/Ukraine sowie ein Platzen dessen, was einige Kommentatoren die chinesische Aktienkursblase nennen. Für das strategisch gemanagte myDepot werden wir diese Risiken weiter beobachten und entsprechend in die Entscheidungen des Anlagekommittees aufnehmen. Derzeit sind jedoch keine Veränderungen geplant.

Erfolgreiche Portfolios aufbauen durch kluge Diversifikation

Erfolgreiches Investieren setzt die Streuung in verschiedene Anlageklassen (Anleihen, Aktien, Rohstoffe, liquide Mitte) voraus. Eine bestimmte Aufteilung ist nicht für alle Anlegertypen geeignet, da jede Aufteilung eines Portfolios mit bestimmten Risiken und bestimmten Renditeerwartungen verknüpft ist. Deshalb haben wir drei Musterportfolios zusammengestellt, die sich an drei unterschiedlichen Risikoprofilen und damit auch Renditevorstellungen von Anlegern orientieren:

  1. Das Musterportfolio “Ertrag” ist für Anleger, die in erster Linie Wert auf ein gesichertes Zinseinkommen legen und in einem gewissen Umfang bereit sind, Kursrisiken zu akzeptieren. Es besteht aus 20 Prozent Tagesgeld und zu 80 Prozent aus dem Index deutscher Staatsanleihen (abgebildet durch den REXP).
  2. Das Musterportfolio “Wachstum” ist für Anleger, die risikobereiter sind und mehr auf die Rendite achten als auf Sicherheit und Liquidität. Es besteht aus 10 Prozent Tagesgeld, 40 Prozent Staatsanleihen und zu 40 Prozent aus Aktien der Industrieländer, (abgebildet durch den Industrieländer-Index MSCI World). Zusätzlich haben wir dem Portfolio 10 Prozent Gold hinzugefügt.
  3. Das Musterportfolio “Chance” ist für Anleger, die größere Kursrisiken akzeptieren, um dadurch längerfristig mit einer höheren Risikoprämie belohnt zu werden. Es besteht aus 10 Prozent Tagesgeld, 30 Prozent Staatsanleihen, 30 Prozent Aktien Industrieländer, 20 Prozent Aktien der Schwellenländer (MSCI Emerging Markets), 5 Prozent Gold und 5 Prozent Rohstoffe (Reuters-Jeffries Index).

Hinweis zur Performancemessung

Als Performance messen wir dabei den Kurswert einer Anlageklasse zum aktuellen Berichtsmonat (aktuell 30. Juni 2015) geteilt durch den Kurswert der Anlageklasse zum jeweiligen Beginn der Beobachtungsperiode. Hatte Gold beispielsweise vor 10 Jahren den Kurswert von 325 Euro und heute den Kurswert von etwa 1.000 Euro, ergibt sich die Performance aus dem Wertzuwachs bezogen auf den Ursprungswert, d.h. (1.000 – 325) /325 = 208 Prozent.

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